Die verwaiste Gastwirtschaft oder: eine verhexte Nachtwanderung

Die traditionelle Nachtwanderung in den Mai begann am Parkplatz unseres Spiellokals. 7 wackere Wanderfreunde machten sich von dort mit einem leckeren Brezelproviant (gestiftet von der Oberhexe) auf den steilen Weg nach oben. Der erste Anstieg hatte es in sich, wärmte aber Muskeln und Gemüter, so dass bald die Eppsteiner Anhöhe mit herrlichem Blick über die Burgstadt bis hinüber zum Kaisertempel erreicht war. Von dort ging es durch den Wald in Richtung Fischbach. Nach gut einer Stunde waren dann im Nachbarort angekommen, wo eigentlich eine Essensrast von unserem diesmaligen Wanderführers Dietmar eingeplant war. Doch, was war denn das? Das angestrebte und reservierte Gasthaus "Zum Bären" war vollends verwaist.

Auch die unerbittlichen "Hallo, ist da jemand?"-Rufe blieben unbeantwortet und verklangen im stillen Nichts. Verhext, könnte man angesichts der anstehenden Walpurgisnacht denken. War die Wirtin bereits mit ihrem Besen ausgeflogen in Richtung Blocksberg? Tanzte der Bär woanders in den Mai? Wir wussten es nicht und konnten es auch mit hungrigem Magen vor Ort nicht aufklären. Zum Glück ist das kulinarische Angebot in Fischbach etwas breiter gestreut, so dass wir nahe der Feuerwehr einen netten Italiener ausfindig machen konnten. Lecker war's dort und diese unverhoffte Alternative erwies sich keinesfalls als Reinfall. Nach ausgiebigem Mahl und dem einen oder anderen Cappuccino packten wir unsere sieben Wandersachen, denn die Dunkelheit war inszwischen deutlich angebrochen. Nun hieß es, den richtigen Pfad nach Hause zufinden, was sich nicht direkt umsetzen ließ. Getäuscht von dem trügerischen Mondlicht, wurde bereits innerorts die erste Abzweigung nach rechts verpasst und so landeten wir direkt in einer Sackgasse. Ermutigendes Statement unseres Tourguides: "Im Dunkeln ist es eben alles etwas anders...". Na ja, diesen Satz hörte man noch das eine oder andere Mal. Auch der Panoromapfad durch das Fischbachtal bot Überraschendes: Plötzlich wurde der Weg zum Pfad und der Pfad zum Hindernisparcours über umgestürzte Bäume und Büsche. "Ja, klar hier geht's weiter!" war die Parole, doch die hierdurch etwas verunsicherten Wanderfreunde, bliesen mehrheitlich zum Rückzug, denn offensichtlich, hatte man den richtigen Abzweig wiederum verpasst. Nach kurzem Korrekturlauf war dann aber der eigentliche Weg gefunden und es ging deutlich weniger holprig zurück in unsere geliebte Burgstadt. Das ein oder andere Wanderliedchen wurde noch angestimmt oder gepfiffen und kurz vor Mitternacht waren wir wieder in sicheren Gefilden angekommen. Alle waren froh, wieder daheim zu sein.

Mal sehen, wo es uns nächstes Jahr hin verschlägt, denn Spaß hat es wieder jeder Menge gemacht und ein großer Dank gilt unserem Wanderführer!