Deutsche Amateurmeisterschaft 2008 in Magdeburg -
Frank Hoffmeister belegt 5. Platz

Seit sieben Jahren organisiert der Deutsche Schachbund die deutsche Amateurmeisterschaft. Im so genannten Ramada-Cup können Spieler bis zu 2300 DWZ in sechs Vorturnieren in ganz Deutschland (Halle, Kassel, Brühl, Hamburg, Aalen, Bad Soden) antreten, um in der jeweiligen Leistungsgruppe unter die besten Fünf zu geraten, welche sich für das Finale qualifizieren (Einzelheiten unter http://www.ramada-cup.de). In diesem Jahr traten mit Roger Fischer, Erich Zweschper und Frank Hoffmeister einige Spieler der Eppsteiner Hessenligagarde in der A-Gruppe (TWZ 2100-2300) sowie der starke Senior Udo Hipler in der E-Gruppe (TWZ 1300-1500) an. Während Udo, Roger (je 2 Punkte) und Erich (2,5 Punkte) im Qualifikationsturnier in Bad-Soden im April 2008 zwar jeweils eine schöne Gewinnpartie spielten, aber dennoch knapp scheiterten, konnte sich Frank durch vier Remis und einen Sieg mit 3 Punkten überraschend für das Finale in Magdeburg qualifizieren. Dort traf er am letzten Wochenende auf ein Feld von 31 Finalisten, in welchem er an kraft seiner ELO 2192 an Platz 18 im hinteren Mittelfeld gesetzt war.

In der ersten Runde traf er gleich mit Schwarz auf den an Drei gesetzten Manuel Dargel (Hamm), welcher zudem kurz vor seinem FM-Titel stand (ELO 2260) - und am Ende mit Platz 2 auch tatsächlich errang. Trotz der wenig anspruchsvollen Abtauschvariante in der Slawischen Verteidigung geriet Frank nach einem einzigen ungenauen Zug aus der Eröffnung heraus in einen Angriff am Königsflügel und wurde mit 20 Zügen regelrecht überfahren. Dieser herbe Verlust in der ersten Runde rüttelte jedoch nicht an seinem Kampfgeist, brachte doch das Los für die 2. Runde mit Ralph Wagner (Schwerin) einen Gegner, den er bereits im Qualifikationsturnier einen Monat zuvor schlagen konnte (ELO 2149). Erneut kam die Tarrasch-Verteidigung im Damengambit aufs Brett, und nach 14 Zügen Theorie ließ sich der Gegner unter starken positionellen Druck setzen. Eine hübsche Kombination brachte Frank einen Mehrbauern ein, der im anstehenden Endspiel sich als starker Freibauer erwies und damit den ganzen Punkt sicherte. In Runde Drei saß Frank dem aus Memmingen stammenden Manfred Schweizer (ELO 2114) gegenüber. Dessen Reti-Barcza System brachte Weiß jedoch nicht den erhofften Königsangriff. Vielmehr konnte Frank den gegnerischen Damenflügel derart schwächen, dass trotz Materialgleichstandes der Gegner kurz vor der Zeitkontrolle angesichts eines mächtigen Freibauern auf c2 aufgab. Mit 2/3 führte das Los in der vierten Runde zu FM Gerald Löw vom TSV Bindlach (ELO 2251). Nach 1. d4 d5 2. Sf3 Sc6?! 3. Lf4 Lg4 4. h3?! Lxf3 5. exf3 war für beide Seiten eine ungewöhnliche Stellung entstanden, welche viel Mittelspielgefühl erforderte. Franks Gegner fand keinen überzeugenden Plan und übersah im 30. Zug ein petite combinaison, welche Frank durch ein Scheinbauernopfer einen Mehrbauern und die Abwicklung ins Endspiel einbrachte. Dort versuchte der Gegner Gegenspiel durch die Bildung eines eigenen Freibauern zu erzeugen, verlor durch die nicht angebrachte Aktivität jedoch nur einen zweiten Bauern. Diese Chance ließ sich Frank nicht entgehen, und gewann das Turm-Springer mit 4 Bauern gegen Turm-Springer mit 2 Bauern-Endspiel ohne größere Mühe. Damit saß er plötzlich in der letzten Runde an Brett 1, und musste mit Christian Braun einem 18-jährigen entgegensehen (ELO 2296), der bereits Erfahrung in der zweiten Bundeslaga und eine IM-Norm erspielt hat. Frank setzte auf das solide Caro-Kann System gegen 1. e4 und der weiße Aufbau mit 2. d3 und 3. Sd2 bereitete ihm keine Probleme. Im Gegenteil, im Mittelspiel übernahm Schwarz die Initiative, so dass Weiß sich Zug nach Zug einer bedrohlichen Figurenübermacht gegen seinen König gegenübersah, während seine Dame und Turm auf a1 und b1 eingeklemmt waren (bei weißen Bauern auf a3, b2 und c2!). In Zeitnot (6 Minuten für 15 Züge) fand Frank jedoch nicht den taktischen Gewinn, sondern ließ einen weißen Befreiungsschlag zu. Das daran gekoppelte Remisangebot nahm er an, denn damit war ein Platz unter den letzten Sechs gesichert (bei einem Sieg hätte der zweite Platz gewunken, bei einer Niederlage nur ein Mittelplatz). Mit insgesamt 3,5/5 in einem sehr guten Feld stand er somit bei der abschließenden Siegerehrung mit dem überraschenden 3.-6. Platz (nach Buchholzwertung fünften Platz) im Siegergrüppchen der Deutschen Amateurmeisterschaft 2008. Wenn das kein gutes Omen für Eppstein in der nächsten Saison in der Hessenliga ist?!

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