75 Jahre SVG: Vom Hotel Seiler ins eigene Schach-Domizil

von Frank Weiner

Eppstein. Es waren sechs begeisterte Anhänger des "königlichen Spiels", die Schach nicht nur so nebenbei im eigenen Wohnzimmer oder in einer Gaststube spielen wollten. Also hoben Joachim Reichard, Hermann Butz, Jakob Sittig, Kurt Heymer, Georg Heymer und Hermann Heckerich im Frühjahr 1932 den Schachverein Eppstein aus der Taufe. Die Gründungsversammlung war im Hotel "Seiler" (später Hotel "Burg Eppstein"), wo die Spieler auch ihre Partien austrugen. Der junge Verein schloss sich der Main-Taunus-Schachvereinigung und dem Hessischen Schachverband an und konnte neuee Spieler gewinnen. So war es nicht einmal überraschend, dass der Club schon im ersten Jahr den Aufstieg in die damals höchste Spielklasse schaffte.

Auch heute - 75 Jahre später - sind die hellen Köpf der Schachvereinigung (SVG) Eppstein ganz oben zu finden. Sie spielen seit dem Aufstieg in der Saison 1999/2000 in der Hessenliga. "wir sind immer drin geblieben", blickt Karl geins , der seit 1990 Vorsitzender ist, zufrieden zurück auf diese sportlichen Glanzjahre mit einer Vizemeisterschaft - die neben dem Gewinn der Main-Taunus-Blitz-Meisterschaften 1998/99 und 2001/2002 und dem Zum Jubiläum ein TurnierMain-Taunus-Viererpokalsieg (1997/98) größter sportlicher Erfolg war. Besonders erleichtert ist er, dass die SVG im Jubiläumsjahr den Klassenverbleib mit einem halben Brettpunkt gerade noch geschafft hat.So kann der Verein gelassen der einzigen Festveranstaltung - den offenen Stadtmeisterschaften (siehe Box) - entgegenblicken. Einzige Wermutstropfen sind die Abstiege der zweiten und dritten Mannschaft (jetzt Bezirksklasse A und Kreisklasse A), während in der vierten Garnitur (D-Klasse) vor allem der Nachswuchs Spielpraxis sammeln soll.

Vom Erfolg verwöhnt waren die Vorgänger der heutigen Mannschaften nicht immer. Vor dem zweiten Weltkrieg glänzen noch Spieler wie Dr. Grimm, Jäger, Butz und Reichard. Während des Krieges war nicht an Rochaden und Schach matt in der Mannschaft zu denken, es gab in dieser Zeit nur interne Vereinsturniere. Den Neuaufbau erlebten die Schachspieler unter dem Dach des Turnvereins und trafen sich zu ihren Partien in der "Rose". Bald stand die Schachvereinigung wieder auf eigenen Füßen, und das Gasthaus "Adler" wurde das Domizil. Akteure wie Oseit, Stern, Bernardi, Jagielski oder die Gebrüder Vollmuth machten sich damals einen Namen. Sportlich ging es auf und ab: Lange Jahre hielt sich das Team in der Bezirksklasseoder der A-Klasse. Als aber neue Schachvereine in der Region gegründet wurden und die besten Eppsteiner zu den großen Clubs wechselten, folgte der Sturz in die B-Klasse. "als ich angetreten bin, hatten wir nur eine Mannschaft und Mühe, die acht Mann zusammenzubringen", erinnert sich Geins.

Der Aufschwung - vor allem im Nachwuchsbereich - war ganz eng mit einem Namen verbunden: Heinrich Becker, der von 1957 bis 1990 stolze 33 Jahre Vorsitzender war. Nachdem er den Posten von seinen Vorgängern Ernst Rotter (1945 bis 1955) und Walter Heymer (1955 bis 1957) übernommen hatte, setzte er auf die Jugend. An der Comenius-Schule in Bremthal, wo Becker viele Jahre Konrektor war, führte er die Schüler an das "königliche Spiel" heran. In den 70er Jahren machten 30 Jugendliche mit, heute sind es unter den 47 Aktiven knapp 20 Mädchen und Jungen.

Das die SVG auf den Nachwuchs setzt, wird bei vielen Titeln deutlich. Bei den Blitzmeisterschaften im Kreis vor kurzem holten Eik Elstner (U20) und Christoph Doll (U16) zwei Titel in die Burgstadt. Max Oplt (U20), Kai Baumann (U14) und Michael Wisdom (U12) wurden Zweite. Jüngster Spieler ist der acht Jahre alte Bernd Friedrich, der mit dem SVG Oldie Günther Gorzawski (82) sogar schon zusammen in der vierten Mannschaft gespielt hat.

Doch die Schachspieler frönen nicht nur gemeinsam ihrem Sport. Vereinschef Geins ist froh, dass es eine ganze Reihe weiterer Aktivitäten wie das Sommerfest (mit einer Kombination aus Billard und Schach), Doppelkopf-Turniere, Fahrradtouren und Wanderungen gibt. Interne Turniere dürfen nicht fehlen. Die Vereinszeitung "Eppo" musste dagegen eingestellt werden. Wieder aufleben lassen möchte Geins dagegen gerne Schach an den Eppsteiner Schulen, das er mit Jugendleiter Bernd Steyer einige Jahre nach der Ära Becker angeboten hatte. Doch fehlt dafür das Personal. Immerhin hat der Vorsitzende ein verjügtes Vorstandsteam mit Roger Fischer (Zweiter Vorsitzender), Jörg Nies (Kassenwart), Alexander Sehr (Turnierleiter) sowie den Beisitzern Jürgen Förster und Dirk Windhaus zusammen.

"Gold wert" ist laut Geins der Vereinsraum im Untergeschoss des Bürgerhauses. "Um den Raum beneiden uns viele", weiß der Vorsitzende, wie wichtig ein eigenes Domizil ist. Zuvor mussten die Bretter und Uhren bei Spielen und Übungsabenden immer vom Lager im Keller in den Sitzungssaal im Rathaus II geschleppt werden. Seit 2000 wird dort regelmäßig donnerstags von 18 bis 20 Uhr (Jugendliche) und von 20 Uhr an (Erwachsene) gespielt. Neue Gesichter sind willkommen.

Weitere Informationen zum Club gibt es auf der Internet-Seite des Vereins (www.svgeppstein.de).

Zum Jubiläum ein Turnier

Eppstein. Die Schachvereinigung organisiert zum Jubiläum ein besonderes Turnier.

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